Moderne Ortungstechnologie im Offshore-Windpark

22.03.2017

Die Errichtung eines Offshore-Windparks ist nicht nur eine Meisterleistung des Bauingenieurswesens, sondern auch der Logistik von Mensch und Material. Um über eine Fläche von vielen Quadratkilometern hinweg jederzeit im Überblick zu behalten, wo sich gerade welcher Arbeiter und welches Gerät befinden, setzen Betreiber solcher Großprojekte heute so genannte Lokalisierungs- oder Ortungslösungen ein.

Windparks an Land ziehen immer wieder den Unmut der Anwohner auf sich - die Beschwerdeliste ist lang und reicht von unschöner Optik über Lärm bis zu verendeten Vögeln. Ansammlungen von Windkraftanlagen auf hoher See sind da zumindest außerhalb des Auges kritischer Betrachter. Boomen tut die Windenergie auf jeden Fall: Beflügelt durch die Energiewende sind allein in der Nordsee derzeit knapp 40 Offshore-Windparks in Betrieb, die Mehrheit von britischen und deutschen Betreibern. Weitere rund 30 sind in der Planung.

Die Errichtung solcher Ensembles, die sich über 30 Quadratkilometer und mehr erstrecken können, ist ein logistisches Meisterstück. Aus der fernen, zumeist an Land gelegenen Einsatzleistelle müssen Hunderte von Beschäftigten sowie Material zielgenau koordiniert werden. Weil die alltäglichen Kommunikationsmittel (Handy) auf hoher See nicht zuverlässig arbeiten, sind speziellere Ortungstechniken gefordert, so genannte "Field- und People Tracking"-Lösungen. Sie ermöglichen eine anonymisierte und genaue Lokalisierung von Gegenständen und Personen in Gebäuden, im Freien oder auf Schiffen. Muss etwa ein Arbeiter gerettet oder sofort evakuiert werden, ist es Bedingung, dass die Leitstelle jederzeit über dessen aktuellen Aufenthaltsort informiert ist und dieser revisionssicher dokumentiert wird.

Die ANS Active Network Sea Systems GmbH ist auf die Entwicklung solcher Systeme eigens für den Offshore-Windparkbereich spezialisiert. Das 2008 gegründete Unternehmen ist eine der drei operativen Gesellschaften der ANS Gruppe, einem IT-Lösungsanbieter mit Sitz in Reinbek bei Hamburg, der europaweit Projekte verschiedenster Größenordnung im Bereich der Maritimen IT umsetzt.

Die Senderhardware der ANS-Lösung ist auf Offshore-Bedingungen angepasst, lässt sich beliebig skalieren und erfüllt alle branchengängigen IP-Schutzklassen sowie Konformitätsvorschriften im Bereich Health, Security und Environment (HSE). Dennis Jahnhofen, Mitglied der Geschäftsleitung der ANS Active Network Sea Systems GmbH: "Dass die Lösungen HSE-konform sind - sowohl in der Bau- als auch der Betriebsphase -, ist notwendige Bedingung für ihren Einsatz im Offshore-Windpark-Bereich. So können wir unseren Kunden in allen Phasen des Großprojekts eine innovative Lösung zur automatisierten Ortung bieten."

Während der zweijährigen Bauphase eines jüngsten Projektes etwa waren 1.000 batteriebetriebene Sendegeräte der ANS-Lösung im permanenten Einsatz. Einzelne Bestandteile der Lösung werden zum Teil durch Solarstrom gespeist, was einen Einsatz ohne Stromversorgung gestattet. Arbeiter und Ingenieure tragen sie ebenso wie verschiedenste Arbeitsgeräte. Sie übermitteln ihren aktuellen Standort kontinuierlich an Empfänger, die auf jeder Anlage und jedem Schiff im Baugebiet installiert sind. Diese vermitteln die Ortungsdaten automatisch weiter an eine Leitzentrale, wo sie zusammenfließen. Die Bauleitung kann dadurch Gegenstände und Menschen in Gebäuden, im Freien oder auf Schiffen jederzeit genau lokalisieren.

Insbesondere während der Bauphase entfaltet eine solche Lösung ihren größten Nutzen. Dann nämlich befinden sich soviel Arbeiter im Park wie später nie mehr, das Unfallrisiko ist also sehr hoch. Gleichzeitig gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nahezu keine Strukturen oder Anbindungen wie Netzwerk oder Strom. Die Bauleitung kann mittels einer Lokalisierungs- oder Ortungslösung daher die Sicherheit erhöhen sowie Bergungszeiten bei einem Unfall reduzieren. In der Betriebsphase des Windparks reduziert sich dann die Zahl der eingesetzten Geräte naturgemäß.

Die automatische Ortung hat zahlreiche Vorteile gegenüber der sonst üblichen manuellen Übertragung von Ortungsdaten, etwa per Chipkarte. Sie liefert kontinuierlich aktuellere Daten und ist auf keine manuelle Handlung der Personen angewiesen. Die Lokalisierung über eine Ortung des Handys ist aufgrund der fehlenden IP-Schutzklasse und GSM-Übertragung nicht möglich. Die funkbasierte Ortung funktioniert daher über Active RFID sowie Tetra oder LAN-Verbindung.